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WG-Casting für Anfänger

19. Februar 2010


„Was, du kommst aus dem Kaff? Das ist doch von meinem nur 30km entfernt!“ Ein mögliches Gesprächsthema beim WG-Casting.

Dass mein Blog immer wieder bei Google mit den Suchbegriffen „wg casting fragen“ gesucht und gefunden wird, zeigt deutlich euer Interesse an diesem Thema. Aus diesem Grund dachte ich mir, dass ich doch mal eine Art To-Do-Liste zu einem erfolgreichen WG-Casting zusammenstellen könnte. Natürlich hab auch ich kein Patentrezept parat, aber sicher kann ich euch für die heiße WG-Suchphase vorm neuen Semester ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben.

1. WG-Kleinanzeige genau durchlesen. Schon hier lässt sich oft ablesen, was für ein Mitbewohner gesucht wird und ob ihr vielleicht gar nicht in Frage kommt. Wollt ihr in eine Zweck-WG ziehen, deuten Formulierungen á la „Wir haben uns alle ganz doll lieb und hängen ständig zusammen“ bereits darauf hin, dass das Ganze vielleicht nicht das Richtige für euch ist. Seid ihr zum Beispiel kein Öko sind Texte wie: „Wir gehen gerne zusammen im Tante-Emma-Laden nebenan einkaufen“ (hab ich im Marburger Express wirklich gelesen!) natürlich auch schon richtungsweisend.

2. Hinweg zum Haus genau beschreiben lassen. Am besten ihr lasst euch gleich die richtige Bushaltestelle, das richtige Stockwerk (oder am besten auch die Namen der Mitbewohner) sagen. Wie oft stand ich irgendwo hilflos vor zehn Klingelschildern und wusste nicht, wo ich hin musste. Da hilft nur noch das Ausschlussverfahren („In der ersten Etage wohnt ein Pärchen, in der zweiten ein einzelner, also kann es nur Stockwerk drei sein.“) oder ein Anruf bei einem der Bewohner (siehe 3.).

3. Ganz wichtig: unbedingt wenigstens eine Handynummer einer der Bewohner parat haben. Falls ihr den Weg doch mal nicht findet oder absagen müsst.

4. Habt ihr das alles gemeistert, kommt natürlich die Hauptsache: das eigentliche WG-Casting. Freundlich und entspannt sein kommt bei der ersten Begegnung bestimmt gut an.

5. Und was wird da so gefragt? Meistens beginnt das Gespräch mit dem Austausch der Basisinformationen wie Name, Alter, Studiengang und Heimatort. Hier können sich dann schon erste Gesprächsthemen entwickeln („Was, du kommst aus dem Kaff? Das ist doch von meinem nur 30km entfernt!“)

6. Nach diesem ersten Beschnuppern beginnt die eigentliche „Fragerunde“. Hier kann man oft schon herauslesen, was für die WG besonders wichtig zu sein scheint. Zum Beispiel wird nach Partygewohnheiten, Ess- und Kochgewohnheiten, Grad der Ordentlichkeit, Interesse an gemeinsamen WG-Aktivitäten, Rauch- und Trinkgewohnheiten…etc. gefragt, also im Prinzip alles, wo im Zweifel ein bisschen Rücksicht auf andere gefragt ist. Gleichzeitig ist das jetzt auch eure Chance etwas mehr über die potentiellen Mitbewohner zu erfahren. Oft ist es interessant, wie schnell man merkt, ob man in die WG reinpasst oder nicht. Ich denke da noch an ein laaanges Casting, indem sehr lange über Autos und Autobahnen geredet wurde (Gähn!), ich aber aus Höflichkeit auch noch nicht gehen konnte.
Da ihr ja meistens etwas zu Trinken angeboten bekommt, ist es immer ein guter Trick je nachdem wie das Gespräch verläuft, auch die Trinkgeschwindigkeit danach anzupassen. („Hm, ich hab ausgetrunken, ich mach mich mal wieder auf den Weg. Tschüss dann!“)

7. Habt ihr jetzt ernsthaft Interesse an der WG ist es natürlich immer gut, dies den anderen auch mitzuteilen: „Mensch, das Zimmer ist ja echt wie für mich gemacht! Ich wüsste ja schon, wo ich meinen Schreibtisch hinstellen würde…“ Gleichzeitig sollte man aber auch immer versuchen, realistisch zu bleiben und sich auch nicht immer allzu viele Hoffnungen machen. Gerade bei 20 Mitbewerbern (was in einer Studentenstadt wie Marburg nicht selten ist) sind die eigenen Chancen natürlich leider nicht immer so groß.

8. Deshalb, auch wenn es schwer fällt: Nicht den Kopf hängen lassen. Irgendwann findest du auch deine WG (oder doch eine eigene Wohnung, wenn dir das ganze Gecaste doch etwas auf die Nerven geht…).

9. Leider kommt es auch immer wieder vor, dass man nach dem Casting gar keine Rückmeldung bekommt. Finde ich persönlich immer unfair für den Bewerber, weil der sich ja doch ganz schön Mühe gemacht hat (Kleinanzeigen durchforsten und anrufen, in fremder Stadt zurechtfinden, Busfahren, herumirren…), aber so ist das Leben. Bei besonderem Interesse ist es manchmal aber auch sinnvoll, nochmal nachzuhaken frei nach dem Motto: „Fragen kostet nichts.“

10. Hat’s geklappt? Glückwunsch. Wenn nicht: fleißig weitersuchen, die richtigen Seiten im Internet durchgucken (www.wg-gesucht.de; in Marburg stark empfohlen: www.marbuch-verlag.de) und ständig neue Besichtigungstermine ausmachen. Ich für meinen Teil habe die Marburger Stadtteile dadurch erst richtig kennengelernt 😉

Eins, zwei, drei, vier Erfahrungen, die ich bei verschiedenen WG-Castings gesammelt habe. Viel Spaß beim Lesen (und Gruseln ;)).

Ps: Das Bild oben ist von jala/photocase.com.

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8 Kommentare leave one →
  1. 23. März 2010 23:40

    Ja, da bin ich doch ausnahmsweise fast froh noch im „Hotel Mama“ nächtigen zu dürfen 😉
    Der Freund eines Freundes hat sein WG-Zimmer zum Beispiel nur bekommen, weil er einen Spongebob-Sandwich-Maker besaß… Verrückte Auswahlkriterien 😉

  2. 4. Oktober 2011 21:04

    Haha, kenne die Prozedere nur zu gut. Habe jetzt aber eine Alternative dazu gefunden: http://www.wg-cast.de
    Keine nervigen Telefonate mit zig unbekannten Anrufern, keine dutzenden Besichtigungstermine mehr – die Vorauswahl trifft man bei WGcast einfach online. Auf jedenfall einen Besuch wert.

  3. Özdir permalink
    8. August 2016 03:55

    Ich finds genial. Mit dir will ich zusammenwohnen!

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