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Die unerträgliche Eintönigkeit des Seins – Sofia Coppolas neuer Film „Somewhere“

30. November 2010

Bringt endlich wieder etwas Farbe in sein eintöniges Dasein: Johnny Marcos Tochter Cleo.

Alkohol. Drogen. Schöne Frauen. Schnelle Autos. Oberflächliche Partygespräche. Etwa aus diesen fünf Dingen besteht das Hollywood-Schauspielerleben von Johnny Marco (Stephen Dorff). Doch dieses Leben füllt ihn nicht aus. Der Besuch seiner 11-jährigen Tochter Cleo (Elle Fanning) bringt schließlich nicht nur Farbe in sein eintöniges Dasein, sondern gibt seinem Leben auch einen neuen Sinn. Plötzlich merkt er, in welche Lethargie er sich hineingesteigert hat…
Sofia Coppolas neuer Film „Somewhere“ zeichnet ein klares, dokumentarisches Bild der High Society in Hollywood, das ohne viele Worte auskommt. Oft sind es nur kleine Momente, kurze Blickkontakte und skurrile Begegnungen, die während des Films kurz angerissen werden, aber nicht näher beleuchtet werden. Ich war ehrlich gesagt positiv überrascht, auch weil ich nie großer Fan bisheriger Filme Coppolas wie etwa „Lost in Translation“ und „Marie Antoinette“ gewesen bin, einfach aus dem Grund, weil mir diese Filme zu inhaltsleer und eintönig erschienen.
Auch mit „Somewhere“ muss man sich als Zuschauer wieder auf ein etwas gemächliches Tempo einlassen. Bereits die Anfangssequenzen des Films und teilweise langen Kameraeinstellungen, die ohne viele Schnitte auskommen, fordern vom Zuschauer ein hohes Maß an Geduld. Andererseits wird gerade durch diese Langsamkeit des Films das Gefühl der Leere, das der Protagonist durchlebt, besonders prägnant verdeutlicht. Gleichzeitig ziehen sich durch den Film hindurch witzige Bildeinfälle und kleinere skurrile Sequenzen, die einem erst beim genaueren Hinsehen ins Auge springen und einem das eine oder andere Lächeln auf das Gesicht zaubern (einfach wundervoll die Szene mit dem Masseur oder der Preisverleihung in Mailand…)
Der Hauptfokus des Films liegt zum größten Teil auf der Schilderung von Johnnys gammeligen High-Society-Künstlerlebens. Gleichzeitig beschreibt der Film die Beziehung zu seiner Tochter Cleo, die sich im Laufe ihres Besuchs verfestigt und immer liebevoller wird. Die Annäherung zwischen Vater und Tochter wird auf sehr berührende Art und Weise dargestellt, wird gleichzeitig wie alles im Film aber auch nur am Rande angerissen. Schade, gerade hier hätte ich mir etwas mehr Tiefgang und einen Blick hinter die Fassade der Figuren gewünscht. Was diese denken und fühlen, kann der Zuschauer höchstens durch Blicke und Gesten, aber nicht durch die Worte der Protagonisten erahnen.
Auch das Ende des Films konnte mich nicht wirklich überzeugen. Zu vage erscheint die Auflösung, die eigentliche Schlussfolgerung, die man sich doch so sehnlichst herbeiwünscht. So möchte man als Zuschauer doch einfach zu gerne wissen, was der Protagonist nun aus seinem inhaltsleeren, tristen und farblosen Leben macht, nachdem seine Tochter ihm die Augen geöffnet hat. Lebt er einfach so weiter wie vorher und ignoriert seine Unzufriedenheit, findet sich gar mit seinem Schicksal ab? Oder ändert er sein Leben grundlegend, um vielleicht doch noch glücklich zu werden? Meiner Meinung nach hat „Somewhere“ hier eindeutig zu früh geendet und lässt einen als Zuschauer leider ziemlich unbefriedigt im Regen stehen. Aber vielleicht wollte Sofia Coppola das auch genau mit ihrem offenen Ende bezwecken?!
Insgesamt also ein solider Film, der aber leider auch kleinere inhaltliche Schwächen hat. Den teilweise hochtrabenden Kritiken der Presse (Süddeutsche Zeitung: „Ein großes Meisterwerk“, Tagesspiegel: „Ein Geniestreich..usw.) kann und möchte ich mich daher nicht anschließen. Sicher, der Film ist unterhaltend und beobachtet treffend das Leben in L.A mit all seiner Oberflächlichkeit und der Extravaganz, die letztendlich auch nur eine Fassade ist. Sofia Coppolas Film schafft es zwar zwar auf sehr anschauliche und dokumentarische Art und Weise Einsamkeit und Isolation, die Monotonie des Lebens im goldenen Käfig zu verdeutlichen – aber zu einem echten Meisterwerk gehört echt noch mehr.

(Aber vielleicht gebe ich jetzt nach diesem halbwegs positiven Sofia-Coppola-Filmerlebnis „Lost in Translation“ nach all den Jahren doch noch eine zweite Chance ;))

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