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Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht…

23. April 2011

Ja, diese Zeile, so blöd sie auch klingen mag, kommt mir immer in den Sinn, wenn ich an Mainz denke. Und das alles nur wegen dieser blöden Karnevalssendung, die bei mir jedes Jahr die Frage aufwirft, wer sich das bloß freiwillig im Fernsehen anguckt!? Ich meine, wenn man schon Karneval feiert, will man doch live (und vor allem mit dem einen oder anderen Bierglas in der Hand) dabei sein, oder? Wie auch immer, ich komme zum eigentlichen Thema dieses Artikels. 😉 Es ist Ostern und das ist in Marburg sehr deutlich spürbar. Die Busse sind so gut wie leer, auf der Straße (in der Innenstadt!!!) kommt einem nur alle paar Minuten ein menschliches Wesen entgegen und auch auf den schönsten Wiesen Marburgs gibt es kein Gedrängel. Und das bei dem Wetter!  Ja, so muss das also sein in den Semesterferien, wenn ein Großteil der Einwohner (Studenten) wieder in der Heimat weilt. Dennoch, das Wochenende ist lang… wenn man wie ich (nur manchmal ;)) Mittwochabend schon das „Wochenende“ einläuten kann, sind es volle fünf Tage, bis sich die Stadt erneut mit Studenten füllt und wieder was los ist. Auf der Suche nach Abwechslung nahm ich mir also vor, doch mal endlich das Supersemesterticket voll auszukosten und einen kleinen Ausflug in die besagte Stadt mit den singenden und lachenden Menschen, die zudem auch als Gutenberg- und überhaupt Wissenschaftsstadt bekannt ist, zu unternehmen. Gesagt, getan. Mit dem (mal wieder heillos) überfüllten Regionalexpress ging es erst nach Frankfurt und von dort weiter mit der S-Bahn. Die Fahrt mit dem RE führte mich zu folgenden Erkenntnissen:

1. Leute, die über eine Frauengruppe mit Kopftüchern lästern und sich über ihr lautstarkes Geplauder in ihrer Sprache aufregen, sind ihrer Meinung nach tolerant: „Die leben in Deutschland und sollen sich gefälligst mal auf Deutsch unterhalten! Aber das darf man ja nicht so laut sagen, da wird man ja gleich als Rassist beschimpft.“  Umso amüsanter wird das Ganze, wenn dieselben ihren kleinen Sohn Minuten später sein Hörspiel (mit Lautsprechern) hören lassen – welches dann den ganzen Zug beschallt.

2. In einem Regionalzug treffen Welten aufeinander. Die aufgestylte Mittvierzigerin mit Burberrytäschchen sitzt neben einem indischen Pärchen, dass sich hingegen wieder über die auf insgesamt zwei Sitzen verteilten Gepäckstücke so lange aufregt, bis der nette Herr diese bereitwillig (ähem) freiräumt. Und irgendwo ganz hinten grölen Fußballfans und stimmen sich auf das Turnier ein…

Immer schön den roten Straßenschildern folgen – dann wird man auch mit Ausblicken wie diesen belohnt.

Angekommen war ich erstmal sehr froh, dass ich mir zur ersten Orientierung zuhause noch einen kleinen Stadtplan, auf dem die Innenstadt abgebildet war, mitgenommen hatte. Es dauerte (und vielleicht auch durch dieses Hilfsmittel) nicht lange und ich fand mich in der Stadt gut zurecht. Sehr hilfreich sind beispielsweise auch die verschiedenfarbigen Straßenschilder (von denen ich vorher schon gelesen hatte!), die einem je nach Farbe sagen, ob man sich gerade parallel (blau) oder geradezu (rot) zum Rhein bewegt. Kein schlechte Idee – vor allem für alle Leute wie mich, die es zum Wasser zieht 😉

Dort habe ich dann auch erstmal gepicknickt, Asiatinnen beim Fotosmachen geholfen (und hierbei sogar noch mein Fotografen-Englisch rausgekramt: „What do you think about the Rhine as the background of the photo?“), habe gelesen und bin am Rheinufer entlang geschlendert.

Auch die Altstadt, in die ich mich kurz darauf aufmachte, war sehr malerisch und erinnerte mich vor allem durch die vielen Fachwerkhäuser stark an Marburg. Insgesamt war es dort aber sehr touristisch und nachdem man sich dort zur Mittagszeit nur noch im Schneckentempo fortbewegen konnte, erkundete ich eher die Nebengassen von Augustinergasse und Kirschgarten.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters..oder so. Das Rathaus.

Kaum aus der Altstadt wieder draußen, präsentierten sich mir jedoch auch die Architektursünden der Stadt. Das Rathaus und auch das Hilton Hotel mit angrenzender Spielbank gehören eindeutig nicht zu den schönsten und sehenswertesten Gebäuden in Mainz. Auch der namenlose kleine „Park“ voller hässlicher Betonklötze (nein, diese Bezeichnung verdient er wirklich nicht!), den ich für eine kurze Pause aufsuchte, ist kein Highlight. Als mich dort dann die örtlichen Alkis mit einem saloppen „Hallöchen“ begrüßten und mich in ein Gespräch verwickeln wollten, machte ich mich dann doch wieder schnell vom Acker.

Malerische Kirchen und moderne Hochhäuser – Mainz hat beides.

Überhaupt liegt in Mainz Ästhetik und Hässlichkeit immer sehr nah beieinander. Auf der einen Seiten hat man den schönen Rhein, wenige Meter daneben einen Rummel, der auch schon bessere Tage erlebt hat. Auf der einen Seite die schönen Kirchen, der Dom, der wiederum nicht weit von einem riesigen Hochhaus aus den 70ern weg ist. Das Positive daran allerdings ist auch die Vielfalt in der Stadt. Egal, ob man eher nach der Suche nach tollen Geschäften und Kaufhäusern oder doch eher nach der Idylle in der Großstadt ist – man kann in beiden Fällen fündig werden. Ich fand es immer wieder schön zu sehen, dass man auf der einen Seite den Trubel und Menschenmassen haben kann (etwa wie in besagter Altstadt) und dann in eine Nebengasse/-straße einbiegt und die komplette Ruhe und Idylle hat.


Das eine oder andere Mal wurde ich auch überrascht… zum Beispiel durch kreative Streetart (ja, wieder einmal 😉 Aber ich kann nicht anders..wenn ich ein tolles  Motiv sehe, muss ich es einfach fotografieren!)


Oder durch ein Schild, das mich als Berlinerin natürlich sehr gefreut hat. 563 km! Klingt gar nicht so weit! 😉 Aber die Aussicht, meine müden Füße auf der zweistündigen Zugfahrt Richtung Marburg ausruhen zu können, war dann doch einfach zu verlockend! Vielleicht ein andermal…

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