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„Wir sind keine Menschen. Wir sind Tiere.“ Die wohl verrückteste Band Europas „Bonaparte“ rockt Marburg

26. April 2011

Ausgefallene Kostüme und schräge Shows – das ist die Spezialität der Künstlertruppe um Monsieur Bonaparte.

Was geht denn hier ab? Eine sehr berechtigte Frage…auf der Bühne tanzt ein Pferd, gleich neben einem Raben in Glitzeroptik, der wiederum von einer grell geschminkten Krankenschwester umsorgt wird. Was auf dem ersten Blick verrückt klingt, ist es auch: Ich bin auf dem Konzert von der wohl schrägsten Band Europas.

Die Band, die ihre Musik selbst als „Visual Trash Punk“ bezeichnet, tingelt schon seit längerem durch die deutsche Indie-Szene – wenn man sie denn überhaupt als Band bezeichnen kann, denn die Mitglieder wechseln ständig, einzig und allein der Frontmann und Bandgründer Tobias Jundt ist immer mit dabei. Als ich hörte, dass dieses sonderbare Grüppchen voller durchgeknallter Künstler ins Marburger KFZ kommen würde, war für mich sofort klar: Das muss ich hin! Schon in Berlin hatte ich immer wieder von den geradezu legendären Live-Shows gehört, dessen Wirkung sich laut eines großen Berliner Stadtmagazins nur so zusammenfassen lässt: „Da, wo sie waren, stand hinterher eine verschwitzte und weich gerockte Menge mit Zeilen im Ohr“. Vor allem die Partykracher „Anti Anti“ und „Too Much“ waren mir schon auf vielen Indie-Clubabenden positiv und als sehr tanzbar aufgefallen.

Und dann erst die Texte! Was auf dem ersten Blick nach einer gehörigen Portion Nonsens klingt („Do I like MGMT? / I don’t know / How do you spell that?“), entfaltet beim genauen Hinhören doch die eine oder andere unterschwellige Botschaft, etwa die Kritik an einer Welt, die vollständig von Technologie- und Fortschrittswahn geprägt ist und sich immer weiter von der Natur abwendet („Greens make me so aggressive / Compulsively obsessive / I shave and i get stubble / Nature’s only making trouble“). Der Song „Computer in love“ thematisiert etwa das Phänomen, dass heute ein Großteil des sozialen Lebens im Internet und nicht in der realen Welt stattfindet : „I am part of your family tree. / Tailor Marx Darwin meat-machine-face. / The real world is a lonely place.“) Und warnt im Refrain dann sogar:  „When you watch computer, computer watching you. / The more you watch computer, computer, computer watching you.” Beinahe ironisch wirkt hierbei die Tatsache, dass das Youtube-Video, in dem die Bandmitglieder mit Computerbildschirm-Köpfen durchs Bild tanzen, über 270.000 Aufrufe zählt, und überhaupt im Internet veröffentlicht wurde. So inkonsequent ist halt auch nur Bonaparte 😉

Auch beim Konzert werden bei „Computer in love“ die Bildschirmköpfe wieder ausgepackt, nebenbei legt ein sowieso schon sehr leicht bekleidetes, einbandagiertes weibliches Wesen der Truppe einen Strip hin – sie schneidet sich die wenigen Fetzen mit einem Messer vom Körper. Und auch für das leibliche Wohl der schwitzenden Menge wird gesorgt: Die Krankenschwester, die zwischenzeitlich zur Putzfrau fungiert und in der Pinkelpause für Ordnung auf der Bühne sorgt, wirft immer wieder Leckereien wie Weintrauben und Bananen, Schokoriegel und Croissants in den Zuschauerraum. Spätestens nach Krachern wie „Too much“ und „Who took the pill“ ist die Stimmung so dermaßen am Kochen, wer jetzt nicht verschwitzt ist hat echt was falsch gemacht – da kommt die Sektdusche offeriert von einem Mitglied in gewagtem Glitzerstring-Outfit (heiß, heiß! ;D) gerade recht!

Ich merke gerade beim Zusammenfassen, dass das was da bei Bonaparte passiert eigentlich gar nicht recht in Worte zu fassen ist. Die Show ist definitiv ein geniales Zusammenspiel aus akustischem und visuellem Erlebnis, das man wohl selbst erfahren haben muss. Als  Monsieur Bonaparte am Ende dieses durchtanzten Abends bei der Zugabe in die Menge brüllt „Do you want to party with the bonaparte?“ kann die Antwort eines jeden von Goldstaub und Sekt besudelten Zuschauers eigentlich nur so lauten: Definitely! Nochmal, nochmal!

Die aktuelle Platte „My Horse likes you“ könnt ihr kostenlos hier hören. Meine persönlichen Anspieltipps: „Fly A Plane Into Me“, „Rave Rave Rave“ und „Technologiya”. Natürlich sollte man auch den Titelsong „My Horse likes you”– allein schon wegen des genialen Pferdewieherns – auf keinen Fall verpassen! 😀

Doch auch ältere Songs (z.B “Who took the pill”, “I can’t dance”) mit den dazugehörigen  sehenswerten Youtube-Videos lege ich euch ans Herz. 😉

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4 Kommentare leave one →
  1. froni rigatoni permalink
    21. Oktober 2012 00:41

    weiss zufällig jemand wer die Bühnenoutfits für Bonaparte designed?

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