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Banksy-Mockumentary: „Exit Through the Gift Shop“

22. Juni 2011
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Wer ist Banksy? Der berühmteste Street-Artist überhaupt ist gleichzeitig auch einer der geheimnisvollsten. Seine außergewöhnlichen und vor allem äußerst provokativen Motive und Kunstaktionen sind weltberühmt. So weist er bei einer Aktion – er platziert am Jahrestag des 11.September eine lebensechte Puppe im Disneyland – etwa auf die Problematik von Guantanamo hin und schrammt dabei schon nah die Grenzen des guten Geschmacks. Fast kein Wunder also, dass dieser große Unbekannte eine sogenannte Mockumentary über Street-Art – und vor allem auch über sich selbst macht. Und dies macht er auf eine ganz geniale und geschickte Weise. Denn eigentlich geht es in „Exit Through the Gift Shop“ gar nicht um IHN, Banksy, das große Phantom der Street-Art-Szene, sondern vor allem um einen seiner größten Fans, den Filmemacher Thierry Guetta. Dieser steigert sich förmlich in eine obsessive Straßenkunst-Manie hinein, indem er andere Künstler nachts bei ihrem Schaffen mit seinem Camcorder filmt, manchmal sogar als Komplize dient.  Bei all seiner leidenschaftlichen, beinahe fieberhaften filmischen Dokumentation von Street-Art, will und kann er an einen Künstler jedoch partout nicht rankommen – Banksy. Doch auch dort ist eines Tages der Moment der ersten Begegnung gekommen und eine intensive Zusammenarbeit beginnt.

„Street art has a short life span so it needed documenting“, drückt es Banksy im Laufe der Dokumentation sehr treffend aus. Er selbst bleibt den ganzen Film jedoch ein dunkles Phantom, selbst seine Stimme wird durchgehend verfremdet. Und plötzlich wird der Spieß umgedreht, denn mit einem Mal liegt der Fokus auf Thierry, der selbst beginnt Street-Art zu machen und sich den Decknamen Mr. Brainwash zulegt. Banksy wirkt im Laufe des Films wie ein nüchterner Beobachter, der die doch sehr auf Profit und Geltungssucht ausgelegte Kunst Thierrys, zynisch kommentiert. Das eine oder andere Mal wirkt Banksy zwar dadurch, dass er sich so über seinen Zögling stellt leicht arrogant, jedoch im Großteil sind seine Interview-Aussagen herrlich komisch! Zum Beispiel, als er etwa über die mangelhaften Fähigkeiten Thierrys als Filmemacher lästert: „It was at that point that I realized that maybe Thierry wasn’t actually a film maker, and he was maybe just someone with mental problems who happened to have a camera.“ 😀

Gerade durch die Fokussierung auf Thierry und seine doch arg zweifelhafte Methode, Kunst ihre Seele und Individualität zu nehmen,  ist „Exit Through the Gift Shop“ indirekt auch ein kritisches Statement zur steigenden Kommerzialisierung, die eben auch vor relativ neuen Phänomenen wie der Street-Art nicht Halt macht. Banksy hält der Kunstwelt regelrecht einen Spiegel vor.
Und dann bietet die Doku vor allem viele, viele tolle Bilder! Fans von Street-Art kommen bei der Banksy-Doku auf jeden Fall auf ihre Kosten. Fast in jeder dritten Einstellung sind großartige und vor allem sehr kreative Stencils und Graffiti zu sehen – und das auch von, mir persönlich bisher unbekannten, Künstlern wie etwa Invader oder Shepard Fairey. Wer sich für Straßenkunst begeistern kann und am großen Unbekannten Banksy interessiert ist, für den ist „Exit Through the Gift Shop“ auf jeden Fall eine sehenswerte Doku (bzw. Mockumentary?) Aber was Banksy betrifft, sei euch jetzt schon mal gesagt… über den ist man nachher auch nicht schlauer 😉

Ps: Der Titelsong geht mir übrigens auch nicht aus dem Kopf. Akute Ohrwurmgefahr!

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