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Cineastische Wundertüte – das Open Eyes Filmfest in Marburg

17. Juli 2011

Neugierig auf jede Menge spannender und kreativer Kurzfilme machte ich mich gestern auf zum Marburger Filmfest „Open Eyes“, das schon seit Donnerstag zum 18. Mal im Trauma stattfindet. Das Programm klang schon sehr vielversprechend: experimentelle Kurzfilme im Traumakino, selbstgedrehte Produktionen von Filmamateuren (sogar Filme, die teilweise mit dem I-Phone gedreht wurden) und auch internationale Streifen, die schließlich Open-Air gezeigt werden sollten. Das Wetter war glücklicherweise noch einigermaßen gut (es regnete nur ein bisschen, aber das war nicht weiter schlimm…)

Was einem dann im gemütlichen Garagen-Kino an experimentellen Amateur-Kurzfilmen gezeigt wurde, konnte sich auf jeden Fall sehen lassen. Klar, nicht alle Filme waren technisch ausgefeilt, vielleicht hätte manches an der einen oder anderen Stelle noch etwas geschnitten werden müssen (ich denke da etwa an die Kleingärtner-Reportage). Bei anderen Filmen hingegen war das technische Know-How des Machers zwar unverkennbar, aber was bringen einem schöne Bilder, wenn sie nichts aussagen! Dennoch: eine schöne Wundertüte an Filmen von Privatleuten, die selber gerne in der Freizeit filmen. Und wie das so mit Wundertüten ist…man weiß halt nie, was man bekommt. Natürlich auch im positiven Sinne! 😉 Daumen hoch für alle, die sich getraut haben, der Welt ihre filmischen Experimente zu zeigen!

Ab 22 Uhr war es dann endlich draußen dunkel genug und die internationalen Kurzfilme konnten im Trauma-Garten unter dem Marburger Sternenhimmel (ähm..wohl eher Wolkenhimmel? ;)) gezeigt werden. Es waren unter anderem Filme aus Spanien, Frankreich, Polen, Griechenland, Österreich und natürlich Deutschland dabei. Auch hier wurde einem eine bunte Mischung geboten: Animationsfilme, Spielfilme und sogar ein Experimentalfilm (der aber SEEEHR experimentell war… halt nicht jedermanns Sache ;))

Besonders beeindruckt haben mich an diesem Abend vor allem zwei Filme. Philipp Käßbohrers Film „Armadingen“ (der Titel als Anspielung auf „Armageddon“) schildert das Leben eines älteren Bauernehepaars, Walter und Helga, die schon seit Jahrzehnten nebeneinanderher vegetieren. Plötzlich erfährt Walter jedoch im Radio davon, dass unaufhaltsam ein Asteroid auf die Erde zurast – und beschließt, sein muffeliges und gleichgültiges Verhalten gegenüber seiner Ehefrau nochmal von Grund auf zu überdenken. Was sich im ersten Augenblick sehr schräg anhört, ist auf sehr humorvolle, aber auch berührende Weise gelöst worden. Es macht einfach unglaublich Spaß, dem stinkstiefeligen Walter bei seiner Entwicklung zum Charmeur zuzusehen. Ich hoffe, die Zuschauer um mich herum haben das auch so gesehen. Von mir hat der Film jedenfalls auf dem Bewertungsbogen eine glatte 1 bekommen.

Der Film „Rausch“ von Verena Jahnke hingegen stimmte ernsthafte Töne an und schaffte es mit sehr berührenden, aber auch schonungslos gewalttätigen Bildern die Festnahme eines Drogendealers zu zeigen. Nachdem dieser das Beweismittel, mehrere Drogenkügelchen, heruntergeschluckt hat, versuchen nun zwei Zivilfahnder und die Polizeiärztin (sogar gespielt von der bekannten deutschen Schauspielerin Susanne Lothar) diesen mit brutalen Methoden zum Erbrechen des Beweismaterials zu bringen. Ein Film, der unter die Haut geht – nicht nur, wenn man weiß, dass er auf wahren Begebenheiten beruht. Auch einer meiner Favoriten an diesem Abend!

Wer jetzt spontan Lust aufs Filmfest bekommen hat: es findet noch bis Sonntagabend statt. Vielleicht hat es bis dahin ja auch aufgehört, zu regnen!
Am Mittwoch (20.7) wird jeweils um 20 und 22 Uhr ein „Best-Of“ gezeigt. Das gesamte Programm des Festivals findet ihr hier.

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