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Nochmal gut gegangen…! Der Marburger Spiegelslustturm

1. August 2011

Eine Marburger Legende besagt, dass man als Student, wenn man vor einer wichtigen Prüfung (Zwischenprüfung, Vordiplom) steht, nicht den Spiegelslustturm besteigen sollte – da man ansonsten in Marburg nie einen Studienabschluss erlangen wird. Ich habe mich trotz bevorstehender Bachelorprüfung dennoch todesmutig auf in Richtung Turm gemacht. Der Weg dorthin war ausgesprochen idyllisch, nur die Wegweiser (die nicht vorhandenden bzw. verwirrenden!) könnten in Zukunft noch verbessert werden. Vielleicht ist das aber auch Absicht?

Als ich an einer Weggabelung einen jungen Vater mit Kinderwagen nach dem Weg fragte, antwortete dieser nur profan: „Och…alle Wege hier im Wald führen eigentlich zum Turm hoch.“ Hm. Okay. Gut zu wissen. Weiter ging es also den sehr steilen Waldweg hoch in Richtung Turm. Durch diesen schweißtreibenden Aufstieg ließen sich die Exkursionsteilnehmer nach nicht langer Zeit zu einem begeisterten Ausruf hinreißen: „Ja! Da oben ist der Turm ja schon!“ Die sportliche Betätigung hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Von der Sonnenterrasse mit Biergarten hatte man eine gute Aussicht über ganz Marburg. Neben dem Biergarten standen skurrilerweise auch ein paar Grabsteine herum – allerdings nur welche aus Styropor – das ist wohl nur das Bühnenbild des aktuellen Open-Air Theaterstücks „Dracula“, dass abends dort aufgeführt wird.

Schön war es auch, das Lichtkunstprojekt (das „Marburger Herz“) mal aus der Nähe zu sehen. Vielleicht sollte ich da wirklich auch mal anrufen. Steht auf jeden Fall noch auf meiner imaginären Marburg-to-Do-Liste. Mal sehen…

Dennoch. Die Aussicht schön und gut. Aber was war nun mit meinem eigentlichen Ziel, der Spitze des Spiegelslustturms? Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, nun noch die (laut Angabe der Marburg-Homepage) 167 steilen Stufen zur Aussichtsplattform hinaufzusteigen. Doch welche Enttäuschung: Nach einem Viertel der Strecke war die Tür verschlossen. Ein Aufstieg war heute wohl doch nicht möglich. Ein heftiges Rütteln an der Tür. Aber nichts zu machen. Schade!

Doch vielleicht war dies auch ein Wink des Schicksals! Ich soll meine Prüfung bestehen! Vielleicht blieb mir der Weg zum Turm deswegen verwehrt. Vielleicht geht es sogar soweit, dass die Uni selbst diese Maßnahme ergriffen hat, damit es überhaupt noch genug Absolventen dieses Jahr gibt. Zu viele sind wohl in letzter Zeit zu leichtsinnig gewesen und haben den Turm trotz der bösen Vorahnung bestiegen. Wer weiß..?

Es stellt sich allerdings auch die Frage, ob diese alte Legende heutzutage, durch die Einführung des Bachelor/Master-Systems, überhaupt noch gilt. Denn in diesen Studiengängen gibt es ja bekanntlich keine wirkliche Zwischenprüfung mehr. Und die Diplom-Studiengänge sind ja auch zu einem Großteil abgeschafft. Allerdings fügt Wikipedia noch eine weitere Information hinzu: Die Legende würde auch beim Physikum, der Zwischenprüfung der Mediziner, gelten. Und das wird wohl in naher Zukunft auch nicht abgeschafft. Tja. Pech gehabt, würd ich sagen! 😛

Ich werde es wohl nie herausfinden. Aber vielleicht hat der misslungene Aufstieg das Gelingen meiner Bachelorarbeit sichergestellt. Wollen wir es hoffen…

5 Tage Berlin

24. Juli 2011

Soo.. die letzten Tage hab ich mal wieder in meiner geliebten Heimatstadt verbracht. Natürlich ist die Zeit wieder viel zu schnell vergangen..aber alles Wichtige hab ich hoffentlich erledigt! 😉 Ich hab die ultraschicke HU-Bibliothek genutzt (da kann sich die UB Marburg mal echt was abgucken), mich in die spacigen Kopierer, die es da gibt, verliebt. Unglaublich, wusste gar nicht, dass Kopieren soo Spaß machen kann. Ist halt echt mal schön, wenn man als Mensch ohne Kopiertalent endlich mal nicht die Hälfte von einer Seite abschneidet…und das sonst natürlich immer erst merkt, wenn man das Buch schon wieder weggestellt hat bzw. den Artikel später zuhause durchliest. Herrlich! Aus lauter Freude über diese Revolution des Kopierens hab ich meine Karte dann auch gleich mit einer beträchtlichen Summe aufgeladen. Tja..so viele Bücher, die mir bei der anstehenden Bachelorarbeit weiterhelfen könnten, gab es dann aber leider doch nicht. So musste ich einen kleinen Teil des Guthabens natürlich für eine große Tasse Cappuccino ausgeben. Auch sehr empfehlenswert! Ich glaube, ich suche die nächste Uni nach ihrem Kaffee- und Kuchenangebot aus 😉

Abends ging es dann ins legendäre Charlottenburger „Schwarze Kaffee“, das rund um die Uhr offen ist (und in dem man auch immer frühstücken kann!) Dieses Angebot hab ich dann allerdings nicht genutzt, vielleicht ein andermal 😉 Später zogen wir dann noch weiter nach Steglitz ins „Scala“, wo es auch sehr schmackhafte Cocktails gab. (S., war ’nen toller Abend :D)

An einem langen Berlin-Wochenende durfte natürlich auch die Kultur nicht zu kurz kommen! Heute ging’s in den Martin-Gropius Bau in der Nähe vom Potsdamer Platz, wo gerade eine Ausstellung des ungarischen Fotografen André Kertész zu sehen ist. Wunderbare Schwarz-Weiß-Fotografie, die mir auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben wird. (Hier gibt’s was von ihm zu sehen!)

Nach so viel Kunstgenuss war dann erstmal ein Kaffee fällig..und lecker Kuchen..Mjam!

Morgen heißt es dann wieder: Bye bye, Berlin – and hello, Marburg! Ich schreib dann demnächst wieder. 🙂

Cineastische Wundertüte – das Open Eyes Filmfest in Marburg

17. Juli 2011

Neugierig auf jede Menge spannender und kreativer Kurzfilme machte ich mich gestern auf zum Marburger Filmfest „Open Eyes“, das schon seit Donnerstag zum 18. Mal im Trauma stattfindet. Das Programm klang schon sehr vielversprechend: experimentelle Kurzfilme im Traumakino, selbstgedrehte Produktionen von Filmamateuren (sogar Filme, die teilweise mit dem I-Phone gedreht wurden) und auch internationale Streifen, die schließlich Open-Air gezeigt werden sollten. Das Wetter war glücklicherweise noch einigermaßen gut (es regnete nur ein bisschen, aber das war nicht weiter schlimm…)

Was einem dann im gemütlichen Garagen-Kino an experimentellen Amateur-Kurzfilmen gezeigt wurde, konnte sich auf jeden Fall sehen lassen. Klar, nicht alle Filme waren technisch ausgefeilt, vielleicht hätte manches an der einen oder anderen Stelle noch etwas geschnitten werden müssen (ich denke da etwa an die Kleingärtner-Reportage). Bei anderen Filmen hingegen war das technische Know-How des Machers zwar unverkennbar, aber was bringen einem schöne Bilder, wenn sie nichts aussagen! Dennoch: eine schöne Wundertüte an Filmen von Privatleuten, die selber gerne in der Freizeit filmen. Und wie das so mit Wundertüten ist…man weiß halt nie, was man bekommt. Natürlich auch im positiven Sinne! 😉 Daumen hoch für alle, die sich getraut haben, der Welt ihre filmischen Experimente zu zeigen!

Ab 22 Uhr war es dann endlich draußen dunkel genug und die internationalen Kurzfilme konnten im Trauma-Garten unter dem Marburger Sternenhimmel (ähm..wohl eher Wolkenhimmel? ;)) gezeigt werden. Es waren unter anderem Filme aus Spanien, Frankreich, Polen, Griechenland, Österreich und natürlich Deutschland dabei. Auch hier wurde einem eine bunte Mischung geboten: Animationsfilme, Spielfilme und sogar ein Experimentalfilm (der aber SEEEHR experimentell war… halt nicht jedermanns Sache ;))

Besonders beeindruckt haben mich an diesem Abend vor allem zwei Filme. Philipp Käßbohrers Film „Armadingen“ (der Titel als Anspielung auf „Armageddon“) schildert das Leben eines älteren Bauernehepaars, Walter und Helga, die schon seit Jahrzehnten nebeneinanderher vegetieren. Plötzlich erfährt Walter jedoch im Radio davon, dass unaufhaltsam ein Asteroid auf die Erde zurast – und beschließt, sein muffeliges und gleichgültiges Verhalten gegenüber seiner Ehefrau nochmal von Grund auf zu überdenken. Was sich im ersten Augenblick sehr schräg anhört, ist auf sehr humorvolle, aber auch berührende Weise gelöst worden. Es macht einfach unglaublich Spaß, dem stinkstiefeligen Walter bei seiner Entwicklung zum Charmeur zuzusehen. Ich hoffe, die Zuschauer um mich herum haben das auch so gesehen. Von mir hat der Film jedenfalls auf dem Bewertungsbogen eine glatte 1 bekommen.

Der Film „Rausch“ von Verena Jahnke hingegen stimmte ernsthafte Töne an und schaffte es mit sehr berührenden, aber auch schonungslos gewalttätigen Bildern die Festnahme eines Drogendealers zu zeigen. Nachdem dieser das Beweismittel, mehrere Drogenkügelchen, heruntergeschluckt hat, versuchen nun zwei Zivilfahnder und die Polizeiärztin (sogar gespielt von der bekannten deutschen Schauspielerin Susanne Lothar) diesen mit brutalen Methoden zum Erbrechen des Beweismaterials zu bringen. Ein Film, der unter die Haut geht – nicht nur, wenn man weiß, dass er auf wahren Begebenheiten beruht. Auch einer meiner Favoriten an diesem Abend!

Wer jetzt spontan Lust aufs Filmfest bekommen hat: es findet noch bis Sonntagabend statt. Vielleicht hat es bis dahin ja auch aufgehört, zu regnen!
Am Mittwoch (20.7) wird jeweils um 20 und 22 Uhr ein „Best-Of“ gezeigt. Das gesamte Programm des Festivals findet ihr hier.

20.000 Besucher! Vielen Dank!

15. Juli 2011

So..ich hab schon viel zu lange hier nichts gebloggt..und dann nach so langer Zeit (3 Wochen ;)) auch gleich so ein vor Eigenlob triefender Artikel! Bitte verzeiht mir! Aber dieses Ereignis hat einfach mal einen eigenen Blog-Artikel verdient. 20.000! Ich kann es nicht fassen! Vor zwei Jahren, als ich noch im niedlichen 2. Semester war, habe ich hier mit diesem Blog angefangen, über meine Marburger Erlebnisse zu berichten. Mit so viel Resonanz, wie ich es heute eindeutig bekomme, hätte ich nie gerechnet. Vor allem in letzter Zeit konnte ich durch meine investigativen Mystery-Berichte ungewöhnlich viele Besucher in mein Blog locken. Ich hoffe, einige von ihnen sind zu MeinMarburg-Lesern geworden. 🙂

Umso trauriger ist es, dass dieses Blog bald ein Ende nehmen wird, da ich aus Marburg wegziehe. Aber ein neues Blog-Projekt wird auf jeden Fall folgen.

So, dann: Vielen, vielen Dank für eure Treue und ich wünsch euch weiterhin viel Spaß beim Lesen. (Spätestens am Sonntag schreibe ich hier auch mal wieder was Richtiges rein und nicht nur Lobhudeleien. 😉 Versprochen!)

Banksy-Mockumentary: „Exit Through the Gift Shop“

22. Juni 2011
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Wer ist Banksy? Der berühmteste Street-Artist überhaupt ist gleichzeitig auch einer der geheimnisvollsten. Seine außergewöhnlichen und vor allem äußerst provokativen Motive und Kunstaktionen sind weltberühmt. So weist er bei einer Aktion – er platziert am Jahrestag des 11.September eine lebensechte Puppe im Disneyland – etwa auf die Problematik von Guantanamo hin und schrammt dabei schon nah die Grenzen des guten Geschmacks. Fast kein Wunder also, dass dieser große Unbekannte eine sogenannte Mockumentary über Street-Art – und vor allem auch über sich selbst macht. Und dies macht er auf eine ganz geniale und geschickte Weise. Denn eigentlich geht es in „Exit Through the Gift Shop“ gar nicht um IHN, Banksy, das große Phantom der Street-Art-Szene, sondern vor allem um einen seiner größten Fans, den Filmemacher Thierry Guetta. Dieser steigert sich förmlich in eine obsessive Straßenkunst-Manie hinein, indem er andere Künstler nachts bei ihrem Schaffen mit seinem Camcorder filmt, manchmal sogar als Komplize dient.  Bei all seiner leidenschaftlichen, beinahe fieberhaften filmischen Dokumentation von Street-Art, will und kann er an einen Künstler jedoch partout nicht rankommen – Banksy. Doch auch dort ist eines Tages der Moment der ersten Begegnung gekommen und eine intensive Zusammenarbeit beginnt.

„Street art has a short life span so it needed documenting“, drückt es Banksy im Laufe der Dokumentation sehr treffend aus. Er selbst bleibt den ganzen Film jedoch ein dunkles Phantom, selbst seine Stimme wird durchgehend verfremdet. Und plötzlich wird der Spieß umgedreht, denn mit einem Mal liegt der Fokus auf Thierry, der selbst beginnt Street-Art zu machen und sich den Decknamen Mr. Brainwash zulegt. Banksy wirkt im Laufe des Films wie ein nüchterner Beobachter, der die doch sehr auf Profit und Geltungssucht ausgelegte Kunst Thierrys, zynisch kommentiert. Das eine oder andere Mal wirkt Banksy zwar dadurch, dass er sich so über seinen Zögling stellt leicht arrogant, jedoch im Großteil sind seine Interview-Aussagen herrlich komisch! Zum Beispiel, als er etwa über die mangelhaften Fähigkeiten Thierrys als Filmemacher lästert: „It was at that point that I realized that maybe Thierry wasn’t actually a film maker, and he was maybe just someone with mental problems who happened to have a camera.“ 😀

Gerade durch die Fokussierung auf Thierry und seine doch arg zweifelhafte Methode, Kunst ihre Seele und Individualität zu nehmen,  ist „Exit Through the Gift Shop“ indirekt auch ein kritisches Statement zur steigenden Kommerzialisierung, die eben auch vor relativ neuen Phänomenen wie der Street-Art nicht Halt macht. Banksy hält der Kunstwelt regelrecht einen Spiegel vor.
Und dann bietet die Doku vor allem viele, viele tolle Bilder! Fans von Street-Art kommen bei der Banksy-Doku auf jeden Fall auf ihre Kosten. Fast in jeder dritten Einstellung sind großartige und vor allem sehr kreative Stencils und Graffiti zu sehen – und das auch von, mir persönlich bisher unbekannten, Künstlern wie etwa Invader oder Shepard Fairey. Wer sich für Straßenkunst begeistern kann und am großen Unbekannten Banksy interessiert ist, für den ist „Exit Through the Gift Shop“ auf jeden Fall eine sehenswerte Doku (bzw. Mockumentary?) Aber was Banksy betrifft, sei euch jetzt schon mal gesagt… über den ist man nachher auch nicht schlauer 😉

Ps: Der Titelsong geht mir übrigens auch nicht aus dem Kopf. Akute Ohrwurmgefahr!

Marburger Mysterien: Der Bus 383

12. Juni 2011

Scheint immer und überall aufzutauchen – der mysteriöse Bus 383.

Nachdem ich bereits letzte Woche dem Jenner-Rätsel auf die Spur gekommen bin, widme ich mich heute einem weiteren Marburger Mysterium, nämlich dem Bus 383. Besonders sonderbar an diesem Bus ist nämlich, dass man ihn in Marburg ständig, aber wirklich ständig im Straßenverkehr sieht!  Wie oft stehe ich an der Bushaltestelle am Rudolphsplatz, warte auf einen meiner Busse, die ich nehmen kann, um nach Hause zu kommen…die lassen natürlich wie immer auf sich warten. Doch dann kommt ein Bus herangefahren. Schon aus der Ferne sehe ich seine leuchtendgelbe Schrift. Klar…warum sollte auch ein brauchbarer Bus kommen?  – Nein, sicher! Stattdessen ist es mal wieder der Bus 383, der sowieso nur zum Hauptbahnhof (oder irgendwo in die Umgebung Marburgs) fährt!

Was dann später passiert, darüber wundere ich mich mittlerweile auch schon gar nicht mehr. Denn wenn ich schließlich im Bus sitze, aus dem Fenster schaue  – welchen Bus sehe ich unverkennbar vor meinem Bus um die Ecke Richtung Hauptbahnhof abbiegen? Ihr könnt es euch denken… Dieser Bus ist einfach überall! Es gibt kein Entkommen!

Ist das vielleicht alles nur Paranoia? Und was hat es bloß mit dieser Buslinie auf sich? Vor allem, weil dieser Bus nach Fahrplan 1x die Stunde Richtung Hauptbahnhof fährt – und genau 1x die Stunde Richtung Bad Endbach / Schlierbach fährt. Punkt. Nicht öfter. Gefühlt aber schon.

Doch glücklicherweise geht es nicht nur mir so (sonst würde ich mir wohl doch langsam Sorgen machen ;))… auch wenn man Leute im Freundes- und Bekanntenkreis fragt, stimmen die meisten einem zu und können es sich ebenso wenig erklären, wieso diese Buslinie in Marburg so allgegenwärtig erscheint.

Wie kann es also sein, dass man einen Bus, dem man eigentlich logischerweise nur zweimal die Stunde überhaupt zu Gesicht bekommen könnte, andauernd sieht? Ist die einfache Erklärung für das 383-Phänomen vielleicht einfach, dass ich mich mittlerweile so auf diesen Bus konzentriere, dass er mir so auffällt, während andere Busse, die vielleicht noch viel öfter an mir vorbeifahren schon gar nicht mehr bewusst von mir wahrgenommen werden? Oder handelt es sich um eine Verschwörung? 😀 Doch warum das Ganze? Fährt der Bus vielleicht heimlich einen Schleichweg durch die Innenstadt, der es ihm möglich macht an verschiedenen Orten wieder wie aus dem Nichts aufzutauchen?

Oder ist der Fahrplan vom 383er vielleicht einfach genau so getaktet, dass ich ihm zwangsläufig begegnen muss? Gegen diese Theorie würde hingegen sprechen, dass andere Leute den Bus ja anscheinend auch dauernd vorbeifahren sehen…an anderen Orten und zu verschiedenen Zeiten!

Mittlerweile wird sogar schon in Studentenkreisen gerätselt, so etwa in einer StudiVZ-Gruppe.  Hier werden unter anderem neue Befunde und Theorien ausgetauscht. Ein Mitglied schreibt etwa: „ich stand an der bushaltestelle in niederweimar und wartete auf die 383.. der bus im gegenverkehr kam und wenig später auch meiner. so das ist ja nun noch nichts besonderes.. aber auf dem weg im bus nach marburg kamen mir 5(!!!!) 383s entgegen..“ Diese Erfahrung würde vielleicht schon mal die scheinbare Omnipräsenz im Marburger Stadtverkehr erklären 😉 Auch weitere Beschwerden im Forum über sonderbare Fahrtenrouten („Der ist einfach auf einmal abgebogen!“) und Verspätungen tragen wenigstens etwas zu einer einigermaßen plausiblen Erklärung des Phänomens bei.

Dennoch: Eindeutig geklärt wird dieses Mysterium wohl nie werden können. Aber das haben Mysterien ja auch so an sich.

Über sachdienliche Hinweise in Form von Kommentaren würde ich mich trotzdem sehr freuen! 

Marburger Mysterien: Wer ist Jenner?

30. Mai 2011


„Jenner kommt“, an diesen zwei Worten, in den häufigsten Fällen mit Kreide an Campusgebäuden in der Innenstadt gekritzelt, kommt man im Moment als Student nicht vorbei. Es gibt sogar Stoffbeutel, auf denen dieser Satz geschrieben steht. Fragt man jedoch die Besitzer, antworten die nur mit einem Schulterzucken und Sätzen wie: „Keine Ahnung…hab ich halt geschenkt bekommen!“
Die Frage drängt sich also förmlich auf: Wer ist dieser Jenner? Und was wird da eigentlich beworben? Und wieso kann niemand diese Fragen (außer die Leute natürlich, die den Slogan verbreiten) beantworten?
Vielleicht ist das aber auch das eigentliche Ziel der Werbeaktion: Erstmal Interesse und Neugier wecken – und dann nach und nach weitere Details zur Veranstaltung (oder wofür auch immer geworben werden soll) nachreichen. Denkt man etwa an die Werbekampagne um Alice vor ein paar Jahren, wo sich jeder fragte, wer diese hübsche Frau sei und wofür sie eigentlich werben sollte. Das Interesse war geweckt und das Erstaunen war umso größer, als klar wurde, dass Alice ein neuer Internetanbieter war. Auch die Jenner-Kampagne könnte also ähnlich wirken…

Google hat zum Glück wie immer schon ein paar Antworten parat, wer dieser Jenner sein könnte:

Edward Jenner: englischer Landarzt, der im 18. Jahrhundert ein wirksames Mittel gegen Pocken entwickelte.

(Hm, aber was hat das bitte mit Marburg zu tun? Und vor allem ist er schon seit 1823 unter der Erde..!)

Brody Jenner: Reality-TV-Darsteller und Model, spielt u.a in der MTV-Serie „The Hills“ mit. (Ja, wär sicher nett mal so einen „Promi“ in Marburg begrüßen zu können. Wär bestimmt das Highlight des Jahres.. ähem, oder so. Aber – nicht böse gemeint – warum sollte so jemand sich nach Marburg verirren?)

Spätestens nach diesen zwei Ergebnissen wird klar: Nein, diese zwei Jenners sind es bestimmt nicht. Und auch nicht die anderen Jenners, die mir Wikipedia anbietet. Ich änder den Suchbegriff auf „Jenner Marburg“… und tadaa! Ich stoße auf ein Ergebnis, das sogar einigermaßen plausibel wäre:

Gustav Jenner: Dirigent, hat in Marburg mal eine Ehrendoktorwürde bekommen (1904). Ist 1920 verstorben.

Hm, dies lässt zwar immer noch die Frage offen, warum dieser Jenner kommt und was er dann tut. Aber das wird sich früher oder später bestimmt noch herausstellen. (ich hoffe nur, ich hab den Machern jetzt nicht den ganzen Überraschungseffekt verdorben! :P)

Nachtrag: Wow! Ich bin beeindruckt von eurer Resonanz (148 395 Besucher gestern und dann auch noch so viele Kommentare!!! :)) Bin übrigens unterdessen noch auf die „Jenner kommt“-Facebookseite gestoßen.. scheint sich wahrscheinlich doch um eine Party (am 19.6 um 19 Uhr?) oder ähnliches zu handeln.. aber geheimnisvoll bleibt es weiterhin 😉

Nachtrag 2: Und ich hatte Recht! 🙂